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Kiel Cup in Pink: Tutima fährt auf's Treppchen!

Schon zu Jollenzeiten hieß es: den Dritten beißen die Hunde. Dritter werden heißt Berichte schreiben. Toll, dass wir von den Tutima-Mädels einen ausführlichen Text über drei Tage Kiel-Cup Wahnsinn bekommen haben!

Kieler Woche ist nur einmal im Jahr - dafür aber richtig. Welcher Segler kennt sie nicht, die Atmosphäre in Schilksee. Eine Mischung aus ehrgeizigen Olympiaanwärtern, Jollenseglern aus sämtlichen Nationen, Kielboot- und Dickschiffseglern, Jimmy Green und die Schaulustigen. Dieses Jahr sollte es nicht anders sein als sonst, jedoch zeigte sich das Wetter während der diesjährigen Kieler Woche unerwartet gut. Doch um von vorne anzufangen: Als dritte der Gruppe ORC1 haben wir das große Los gezogen, einen Bericht über die Kieler Woche 2015 zu schreiben. Unsere Kieler Woche, von Bord der Tutima.

Wind zum Saisonauftakt

Und diese Kieler Woche startet wie jedes Jahr am Samstag Morgen um 8:00 Uhr in Schilksee, um gen Düsternbrook zu motoren, wo das Welcome Race vor einer ganzen Horde von Zuschauern gestartet wird. Wenn wir auf die bisher gelaufene Saison zurückblicken, also MaiOR, Fyn Rundt, Big Boat Race und diverse Trainings, dann kommt uns zu allererst jede Menge Wind in den Sinn. Wir waren sogar bereits an dem Punkt, dass wir uns gefragt haben, ob es wohl jemals wieder aufhört so stark zu wehen. Doch wie einleitend erwähnt, das Wetter war gut und die Kieler Woche wollte uns vom Gegenteil überzeugen, vorerst! Der Start des Welcome Races mit einer ganzen Hand voll fremder, spannender Boote verlief unspektakulär und ist nicht der besonderen Erwähnung wert. Mit moderaten Winden von maximal 15 Knoten drehte der Wind netterweise konsequent leicht nach links, sodass wir gemütlich gegenan nach Eckernförde kreuzen durften. Da in einem solchen sehr unbeliebten Szenario von 15 Mädchen nur 6 Mädels ernsthaft arbeiten dürfen, heißt es für den Rest der Crew: Ruhig auf der Kante sitzen, vorbereitet sein für jegliche Eventualitäten, und: Mund halten und doofe Sprüche unterdrücken! Vor allem letzteres stellte sich spätestens nach langen 2 Stunden des Herumsitzens als äußerst schwierig heraus. Doch kurz vor dem Ziel dann der Weckruf: ein circa 0,5sm langer Schenkel, in dem wir tatsächlich den Spinnacker hochziehen konnten und die Crew war wieder wach!

Flautenschlagen vor Eckernförde

Der Rückweg am folgenden Tag sollte leider nicht anders verlaufen: Zwar war die Tüte hier den Weg aus der Eckernförder Bucht raus oben, jedoch brach der Wind zügig zusammen, sodass die Wettfahrtleitung eine Bahnverkürzung ankündigte und uns bereits vor dem Kieler Leuchtturm gezeitet hat. Dank unserem schnellen Motor hatten wir eine fixe Reise zurück in den Hafen, wo schönes Wetter und ein kühles Stegbier auf uns wartete – hier werden uns einige sicherlich zustimmen, es geht deutlich schlimmer! Folglich konnten wir genug Energie tanken, um abends im Luzifer noch einen kleinen Absacker mit einer erschreckend klein geschrumpften Gruppe Seglern zu trinken und uns mental schon auf den Kiel Cup Alpha vorzubereiten. Hierfür hat der Wettfahrtleiter Stefan Kunstmann angesetzt, auf dem Stoller Grund von Montag bis Mittwoch insgesamt 9 Rennen zu segeln.

Stollergrund is Best-Grund

So machte sich die Flotte am Montag Morgen im schönen Morgenlicht der Ostsee auf zur Bahn Alpha, wo das Startschiff zum Check-In schon auf uns wartete. Die Tutima war soweit startklar, die Medium Heavy an Deck, bis uns kurz vor dem 10 Minutensignal eine satte Böe mit 25kn überraschte, die uns zu einem denkbar schnellen Segelwechsel auf die G4 motivierte. Gemacht getan. Mit unkonstanten, drehenden und böigen Winden setzte sich den Tag über ein Szenario durch, welches im Wetterbriefing so nicht angekündigt war: der Wind startete mit kräftigen Böen und nahm dann schließlich über den Tag hin ab, sodass er am Ende sogar richtig flau war!!! Trotzdem konnten wir drei faire, lange Rennen segeln und kamen am Ende des Tages mit einem 3. Platz über alles raus. Und das bedeutete, dass wir uns am folgenden Tag mit der pinken Flagge der RVS am Achterstag schmücken durften.

Florida des Nordens?

Auch für den Dienstag waren 3 Rennen angesetzt, bei einer Vorhersage von Winden unter 10kn. Mit Sonnencreme gewappnet, waren wir vorbereitet auf einen langen Tag auf dem Wasser. Was sich jedoch als Trugschluss herausstellte. Nach einer nervenzehrenden schleppenden ersten Kreuz schoss die Wettfahrtleitung das erste Rennen noch vor der Luvmarke ab und leitete die Warterei ein. Um 12 Uhr das erste Update. Um 12:30 Uhr dann das nächste und so weiter. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite und schnell waren die ersten Oberkörper auf den umliegenden Booten freigelegt. Stefan Kunstmann unterhielt die Teilnehmer über die Funke bestens und auch die DGzRS gab eine kleine Wasserfontänen- Vorschau zum Besten. Gegen 13:30 dann die nächste Ankündigung: „Dear competitors, (...) this is Offshore Democratic Sailing“.... Da mag man sich fragen was hiermit gemeint ist: wir erklären es euch:  Die Wettfahrtleitung plante die Flotte darüber abstimmen zu lassen, ob bis 15.00 Uhr bei Ententeich auf dem Stollergrund auf einsetzenden Wind gewartet werden sollte, oder ob die Flotte ohne weitere Rennen am Tag in den Hafen zurückfährt. Hierfür wurde ein Gate ausgelegt, durch welches mindestens 18 Boote hindurchfahren müssen, um mit einem „JA, wir wollen in den Hafen“ abzustimmen. Ein zäher Prozess, weil einige Kandidaten bis zum Ablaufen des Zeitlimits die Spannung hochhielten und erst in letzter Sekunde das Gate durchtauchten. Aber 18 Boote sind 18 Boote und es ging früh zurück in den Hafen. Die pinke Flagge? Logischer Weise immer noch unsere. Keine Rennen keine Ergebnisse!

Offshore-One macht Ernst

Der Mittwoch aber... ja der Mittwoch zeigte, wie schnell sich das Wetter bei uns im Norden ändern kann. Bereits über Nacht baute sich eine steife Briese gepaart mit einer hohen, ruppigen Welle auf, sodass wir bei 25kn im Schnitt beim Startschiff zum Check-In am Mittwoch Morgen ankamen. Bereits am Vorabend hat Stefan Kunstmann belustigt aber voller Ernst angedroht, mit uns 4 Rennen zu segeln. Eine wertvolle Nebeninformation, die die Crew bewegte zeitig ins Bett zu gehen um am Morgen fit zu sein. Und so wurde das erste Rennen gestartet. Und das zweite Rennen wurde gestartet. Jeweils 3 lange, kräftezehrende Schenkel mit kurzen Pausen zwischen den Wettfahrten. Die Crew war sichtlich erschöpft, muss bei Wind und Welle eben doch mehr gekämpft werden, auch wenn wir ebenjene Szenarien diese Saison mehr als genug erlebt haben. Im Großen und Ganzen sind wir sehr solide und konzentriert über den Parcours gefahren, ohne Personen- und Materialverschleiß. Wenn man sich jedoch während den Wettfahrten umblicken konnte, so sah man doch einige Sonnenschüsse, einige Strickereien, aber vor allem immer weniger Boote auf dem Stollergrund. Aufgeben kam für uns nicht in Frage. Die Kräfte ließen zwar nach, aber wenn man mit 15 Mädels segelt, dann löst man das Problem eben indem noch zwei Hände mehr an einer Strippe ziehen oder ein Segel einsammeln. Geht doch! Auch die Wettfahrtleitung beobachtete die Erschöpfung der Crews bei kalten 13 Grad Außentemperatur und erfrischendem Regen, und sagte das 4. Rennen ab. Ein Glück! Mit den Plätzen 2, 6, 3 haben wir es geschafft: die pinke Flagge der Klasse ORC1, die der Tutima so unglaublich gut steht, blieb unsere!

Wo sind die ganzen Segler hin?

Wir beendeten die Kieler Woche folglich mit einem dritten Platz über alles. Eine Platzierung, die uns eine Stufe auf dem Treppchen verschaffte. Was für ein schönes Gefühl. Zusammenfassend bleibt uns auch diese Kieler Woche in guter Erinnerung. Zwar fehlte Abends das gemeinsame Beisammensein aller Segler, aus unerklärlichen Gründen, aber die Segelei fand auf einem hohen Niveau statt, und die Stimmung an Bord der Tutima war wie immer hervorragend, und deshalb sind wir ja eigentlich hier! An dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön an Tutima Glashütte/SA - den besten Sponsor von Welt!!! Für uns heißt es nun: Sachen packen und nach einem kurzem Up &Down Stopp bei der Warnmünder Woche auf nach Estland zur ORCi Europameisterschaft in Pärnu. Wir sind gespannt.

 

Bild von: Felix Gross / gross-format.de

 

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