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ORC-WM: Subjektiv!

Zurück aus der Sommerpause! Das war ja was. In Travemünde wurde gesegelt, der Blue Ribbon Cup steht vor der Tür und wenn wir uns die Lage auf der Meldeliste für Flensburg so ansehen, ist es höchste Zeit hier mal wieder aktiv zu werden mit Content der Spass am Segeln weckt. 

 

ORC WORLDS 2016 in Kopenhagen – ein kleiner Stimmungsbericht von Bord der Tutima

Mitte Juli 2016: Kein Ort der Erde mag für die Nordlichter unter uns in den Sommermonaten schöner sein als unsere Ostsee vor der Haustür. Umso größer war wohl die Freude bei den Crews, als es samt Boot, Ausrüstung und Gepäck endlich gen Kopenhagen ging. Als besonders Glückliche sind hierbei die Überführungscrews zu nennen, die bereits in den Tagen vor dem Event den Öresund in seiner glitzernden Schönheit bestaunen durften. Der Großteil der teilnehmenden Yachten trudelte somit ab Mittwoch in Skovshoved ein. Schon beim Einlaufen konnte man die Präsenz der großen Flotte erahnen, an Steuerbord winken die Mädels der Hotquito und die Jungs der Intermezzo, Ember Sea und der Sydbank, mit Kurs nach Backbord zur Werft passiert man die Dockenhudener, wo schon wild gebastelt wird, die Sportsfreunde, die schon am Trainieren sind und am Ende des Beckens die Tutima neben der Silva neo – ach was für schöne Erinnerungen, die auch im dunkelsten Winter noch für Freude sorgen!

Mit jedem weiteren Boot, welches in Skovshoved festmachte, verdichtete sich das Mastenmeer. Während die Crews schon trainierten und ihre Boote optimierten und Crew- und Sponsorenflaggen das stehende Gut der Yachten schmückten, ließen die Veranstalter der ORC Worlds lediglich Spekulationen zu, wann und wo ein mögliches Racevillage entstehen könnte. Nur wenig wies darauf hin, dass Skovshoved nur Stunden später austragender Ort der Seesegel-Weltmeisterschaft sein sollte. Noch! Während die Vermessung der Yachten den gesamten Freitag und Samstag einnahmen, rückten die Regattaorganisatoren Stühle und Tische zurecht, bauten in Windeseile Zelte und Stände auf und positionierten einen überdimensionalen, mit Luft gefüllten Torbogen, welcher den Eingang des im Südhafen gelegenen Racevillages darstellte. Folglich sollten alle Bedingungen gegeben sein, um die ORC Weltmeisterschaft 2016 in der Skovshoved Townhall feierlich zu eröffnen. Gesagt getan, die Townhall war voll, die Stimmung ausgelassen und dennoch angespannt genug, in großer Erwartung auf die ersten Rennen am folgenden ersten Wettfahrttag.

Bereits bei den ersten Trainingsschlägen im Vorfeld zeigte sich, dass eine starke Strömung und unberechenbare Böen den Öresund voll im Griff hatten. Ortskenntnisse waren gefragt, und für den Großteil der Crews, die diese eben nicht hatten, Feingefühl und vor allem Vorausschau, um auf der Regattabahn den Bug vorne zu haben. Drei spannende Rennen konnten in allen drei Klassen am Montag gesegelt werden, deren Ergebnisse jede Menge Spekulationen, Motivation bei den einen, und Enttäuschung bei den anderen hervorriefen. Favoriten segelten hinten, Newcomer ganz vorne dabei. Da jedoch mit fünf weiteren vermeintlichen Wettfahrttagen noch alles offen war, wurde sich zügig auf die Performance-Optimierung an den kommenden Tagen konzentriert. Ein kurzer Blick auf die Windprognosen zeigte jedoch bereits zu diesem Zeitpunkt, dass der Wind gegen Ende der Woche faktisch ausgeschaltet werden sollte. Folglich nahm sich die engagierte Regattaleitung zur Mission, bis dahin möglichst viele Rennen über die Bühne gebracht zu haben. So wurden die Felder am Dienstag in aller Frühe auf die Bahnen geschickt, um dort stundenlang auf den erhofften Wind zu warten und direkt starten zu können. Dies klappte bei den einen besser, bei den anderen, nämlich der großen Gruppe B ehr nicht so gut, sodass deren Bahn am frühen Abend auf die der Gruppe A verlegt wurde, deren Segler bereits bei kühlem Bier an Land nach getaner Arbeit den Feierabend einläuten durften. 

Noch an diesem Dienstagabend ließ der Wettergott eine gute Windvorhersage für den folgenden Langstreckentag zu, weshalb die Crews sich großzügig mit Proviant und Thermounterwäsche ausstatten konnten. Der Start des Langstreckenrennens sollte für alle Teilnehmer ein besonderer sein, tümmelten sich doch in den frühen Sonnenstrahlen alle xxx Yachten an derselben Startlinie. Während die Gruppen B und C anlässlich der schwachwindigen Vorhersage auf einen kurzen Kurs durch den Öresund geschickt wurden, segelten die großen Gruppe A Yachten gen Norden zur Insel Ven. Dort angekommen ließ der Wind umgehend nach, sodass die sonst so unterschiedlich schnellen Yachten innerhalb von kürzester Zeit in einem dichten Feld gegen den aus entgegengesetzter Richtung drückenden Strom ankämpften. Im Ergebnis ankerte ein Großteil der Gruppe A Flotte in Lee der Insel Ven, fast als wäre es Urlaub; mit dem Unterschied, dass eine Weltmeisterschaft gesegelt wurde und der Strom so stark gegen die in der Flaute hängenden Yachten drückte, dass ein Anker die einzige Möglichkeit war um die jeweilige Position gegenüber der Konkurrenz halten zu können. Doch auch das ist Seesegeln. Während die kleineren Boote bei schwachem Wind ihre Kurse bereits erfolgreich absegeln konnten, fiel der Regattaleitung gegen späten Abend auf, dass 13 Boote der Flotte noch nicht im Hafen eingetroffen waren – 13 Boote, also Gruppe A. Nach einem kurzen Blick auf das AIS der unter 0 Knoten im Gegenstrom treibenden Boote entschied sich die Regattaleitung dazu, das Rennen über VHF abzusagen; genau in dem Moment, als ein mit 12 Knoten einsetzender Wind Ven erreichte und das regattieren wieder losgehen sollte. Enttäuschung und Ratlosigkeit über die Entscheidung bei den einen, Freude und Erleichterung bei den anderen, dass die schlechte Position in der Wiederholung der Langstrecke am folgenden Tag wieder gut gemacht werden könnte.

Während folglich die Gruppe A Yachten am Donnerstagmorgen noch früher einen neuen Anlauf für die Langstrecke starteten, konnten sich die restlichen Regattateilnehmer in ihren Kojen nochmal umdrehen oder mental bei Kaffee auf die anstehenden Up&Downs vorbereiten. Die einzige Gemeinsamkeit für alle Gruppen an diesem Tag: das anstehende Stegbier, welches die Jungs der RVS am Abend allen Regattateilnehmern versprachen. Was für eine Motivation, die Langstrecke zügig hinter sich zu bringen. So trudelten die ersten Crews bereits am frühen Nachmittag in Skovshoved ein, und nahmen nur wenig später direkten Kurs auf das Racevillage, wo ein regelrechter Turm von Budweiser  Bier auf die durstigen Segler wartete. Nach der offiziellen Eröffnungszeremonie sollte der Donnerstag der erste Abend sein, wo endlich alle Teilnehmer an einem Ort zusammenkamen und das sonst so leere Racevillage mit Leben erfüllten. Vor allem für die deutschen Crews bleibt der Abend wohl als besonders schön in Erinnerung, traf man hier doch zum ersten Mal auch diejenigen befreundeten Crews, die sonst am anderen, weit entfernten Ende des Hafens lagen. Die rege Teilnahme am RVS-Abend, und der sich zusehends lichtende Bierstapel sprechen sehr für einen gelungenen Abend.

Der Wettergott sollte am Freitag dann zumindest denjenigen in die Karten spielen, die am Vorabend möglicherweise ein Bier zu viel zu sich genommen haben: kein Wind und Startverschiebung an Land. Die Hafenkulisse, die anfangs noch von angespannt wartenden Seglern in Ölzeugmontur geprägt war, veränderte sich gegen Nachmittag hin zu einem entspannten Zusammensein bei Eis essen, Wasserschlachten und Badespaß. Gegen 18:00 0Uhr dann die endlich erlösende Nachricht, die der spiegelglatte Öresund bereits vermuten ließ: „No more racing today“; Für den Erholungsfaktor hervorragend, für das sportliche Ereignis Weltmeisterschaft und die noch ausstehenden Rennen ehr nicht so gut. Folglich setzten alle ihre Hoffnungen daran, am darauffolgenden und letzten Wettfahrttag noch weitere Rennen segeln zu können, um die jeweilige Position in den großen Feldern halten oder verbessern zu können.

Bei einem ersten Blick über die Hafenmole am Samstagmorgen wurden diese Hoffnungen jedoch recht schnell relativiert: erneut kein Windhauch zu sehen, erneut Startverschiebung an Land. Ständig konnte man jeden zweiten Segler beobachten, wie dieser im Minutentakt ungeduldig einen Blick auf die Uhr warf, das näher rückende Zeitlimit von 14:00 Uhr für den letzten Start im Hinterkopf. Und dann endlich, die ersehnte Durchsage über VHF: alle Segler auslaufen, es soll gestartet werden. Tatsächlich erwischte die Regattaleitung den richtigen Zeitpunkt, um die Felder rechtzeitig vor dem Zeitlimit auf die Bahn zu schicken und ein letztes, faires Rennen der ORC Weltmeisterschaft starten zu können. Ein Abschluss, der wohlmöglich manch einen doch noch mit dem von Flauten gebeutelten Event versöhnen ließ.

Zusammenfassend überzeugten die Veranstalter der ORC Worlds 2016 mit ihrer dänischen Gelassenheit, mit der sie das Event auf unkomplizierte Weise gut durchorganisiert haben. Obwohl der sportliche Aspekt durch den mangelnden Wind an manchen Tagen vielleicht auf der Strecke blieb, konnten dennoch faire, anspruchsvolle Rennen gesegelt werden und die Veranstaltung berechtigter Weise als Saisonhighlight von so mancher Crew in guter Erinnerung bleiben. Schade nur, dass die Weltmeisterschaft für viele deutsche Crews das letzte Event in diesem Jahr war. Für das kommende Jahr bedeutet dies, den Regattakalender deutlich aufzustocken, schließlich geht die Segelsaison auch auf der Ostsee noch bis weit in den Oktober!

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