Seesegeln

ORCi: Das Vermessungssystem für den gehobenen Anspruch

ORCi - Das Vermessungssystem 

Das Handicap-System ORC international (ORCi) ist das weltweit angewandte Ausgleichssystem für den gehobenen Level des Seesegelns. ORCi basiert auf dem komplexen wissenschaftlichen Geschwindigkeitsprognose-Programm VPP zur Ermittlung von Zeitvergütungen (Handicaps) für Segelyachten. Grundlage hierfür ist die vollständige Erfassung der Rumpfgeometrie, Schwimmlage, Stabilität,Crewgewicht sowie der Rigg- und Segelabmessungen.

Die Vermessungsvorschriften hinsichtlich Segel, Rigg und Schwimmlage basieren weitestgehend auf den bekannten IMS-Regeln (International Measurement System), sind inzwischen jedoch deutlich verfeinert worden. Dies gilt auch für die Vorschriften zur Segelführung und das Trimmen einer Yacht während einer Wettfahrt. Der Vermessungszustand einer vermessenen Yacht ist auf der so genannten Vermessungsinventarliste festgehalten, die mit dem Messbrief ständig an Bord zu führen ist.

Mit der Unterschrift auf dem Messbrief erklärt der Eigner seine Verantwortlichkeit für die Einhaltung der Regatta- und Vermessungsvorschriften. Die wichtigsten Regeln sind in dem ORCi-Eignermerkblatt niedergelegt. Das vollständige Regelwerk ist auf der Website des Offshore Racing Congress zu finden.

Vermessung, Aufwand und Kosten

Zum Erhalt eines vollgültigen ORCi-Messbriefs ist eine relativ umfangreiche Vermessung des Bootes erforderlich. Da ORCi als sehr komplexe Handicap-Formel die möglichen Bootsgeschwindigkeiten und Rennwerte über das gesamte potenzielle Leistungsspektrum einer Yacht berechnet, ist die Genauigkeit der Vermessung von maßgeblicher Bedeutung. 

Die komplette für ORCi erforderliche IMS-Vermessung besteht aus:

  • Rumpfvermessung (Digitalisierung der Rumpfform)
  • Wasservermessung (Krängungs- bzw. Stabilitätsversuch)
  • Riggvermessung
  • Segelvermessung

Der Zeitaufwand zur Durchführung einer kompletten Vermessung beträgt je nach Bootsgröße und äußeren Bedingungen ca. zehn bis 15 Stunden. Für die Rumpfvermessung ist ein Hallenplatz mit waagerechter und ebener Bodenfläche sowie ausreichend Platz rund um das aufgebockte Schiff notwendig. Durch die seit 2009 eingesetzte, neue Vermessungsmaschine ist der seitliche Platzbedarf etwas reduziert worden. Jedoch muss durch den eingesetzten Laser das Schiff nun in einer Halle platziert werden, um Streulichteffekte auszuschließen. Bei Einzelbauten ist in jedem Fall eine komplette Vermessung erforderlich, es sei denn, dass einzelne Bereiche von bereits vorliegenden anderen Vermessungen, wie z. B. Dansk-Handicap, übernommen werden können.

Bei Serienyachten kann unter Umständen auf die Rumpfvermessung verzichtet werden, wenn bereits ein identisches Schwesterschiff, möglicherweise auch im Ausland, vermessen wurde. In diesem Fall werden die digitalisierten Rumpfdaten von dem Schwesterschiff übernommen, und der Eigner bezahlt einen Pauschalbetrag für die Übernahme dieser Vermessung. Dieser Pauschalbetrag beträgt in der Regel  30 bis 40 Prozent der Kosten für eine vollständige Rumpfvermessung. Dies gilt auch dann, wenn es einen ORC-zugelassenen Designdatensatz als Rumpfdatei gibt.

Für einige Serienyachten, bei denen die Werft eine Einheitlichkeit (One-Design) garantiert, kann bis auf die Segelvermessung, die Vermessung komplett entfallen. Der Messbrief wird auf Vorlage einer Werftbescheinigung ausgestellt. Bedingung hierfür ist, dass zwischen ORC (bzw. DSV) und Werft eine entsprechende Vereinbarung besteht und eine Rumpfdatei vorhanden ist.

Für einige Einheitsklassen, die nach den jeweiligen Klassenregeln vermessen wurden, kann ebenfalls von einer IMS-Vermessung abgesehen werden. Der ORCi-Messbrief wird auf Vorlage des Einheitsklassen-Messbriefs (One-Design) erstellt.

Vermessungskosten

  • Die Kosten für eine IMS-Vermessung (außer Segel) betragen erfahrungsgemäß je nach Bootsgröße zwischen ca. 550.- Euro (LOA bis 33 Fuß) und 1000.- Euro (LOA um ca. 40 Fuß).
  • Entfällt bei Serienyachten die Rumpfvermessung, reduziert sich die Vermessungsgebühr auf ca. 350.- bis 550.- Euro.
  • Sonderfälle werden direkt mit dem Vermesser besprochen. Hinzu kommen die Kosten für die Segelvermessung (ab 35.- pro Segel) sowie gegebenenfalls Fahrtkosten.
  • Die meisten deutschen Segelmacher sind vom DSV zum Vermessen der von ihnen hergestellten Segel lizensiert. Es empfiehlt sich, Regattasegel vom Segelmacher  bereits vermessen zu kaufen. 
  • Die Gebühr in 2014 für die erstmalige Neuausstellung eines ORCi-Meßbriefes beträgt 165.- Euro.
  • 2014 kostet die jährliche Erneuerung 135.- Euro
  • Eine Liste mit allen aktuellen ORC Vermessern finden Sie hier,

Weitere Informationen finden Sie hier.

Interessierte Eigner können sich direkt an einen ORC-Vermesser wenden, um Vorgehen und Termine abzusprechen. Es empfiehlt sich, vorher bei der Werft oder beim Händler Informationen einzuholen, ob bereits ORC international- beziehungsweise IMS-Vermessungen für Schwesterschiffe existieren und wo gegebenenfalls Rumpfvermessungsdaten erhältlich sind. Die neuen Online-Services auf www.orc.org können hier eine Hilfe zur Vorbereitung sein.

ORCi-Regattaauswertung

Der Meldung zu einer Regatta muss der gültige Messbrief in Kopie beigefügt sein. Ein gültiger Messbrief trägt die Unterschrift des Eigners/Steuermanns sowie den Namen oder Stempel des zuständigen Seglerverbandes. Er muss mit dem Datum für letzte Änderungen in der jeweiligen Ausschreibung korrespondieren. Ist dieser nicht explizit angegeben, gelten fünf Werktage vor Beginn der Veranstaltung als akzeptabel.

Ein bei Beginn der Wettfahrtserie vorliegender Messbrief kann bis zur Beendigung der Serie nicht durch einen anderen ersetzt werden. Die Einstufung beziehungsweise Klasseneinteilung erfolgt nach Offshore Handicap (sec/m) GPH. Die Wahl des Auswertesystems behält sich die jeweilige Wettfahrtleitung vor.

1.1. Klasseneinteilung
Klasse A:             ≥420.0 und <550.0 sec/mi GPH           
Klasse B:             ≥550.0 und <615.0 sec/mi GPH
Klasse C:             ≥615.0 und ≤700.0 sec/mi GPH

1.2. Bei großen Teilnehmerzahlen wird eine zusätzliche Unterteilung in A- und B-Gruppen empfohlen. Es wird empfohlen, den „Dynamic-Allowance“-Wert als Kriterium der Unterteilung zugrunde zu legen. Hiermit soll erreicht werden, dass Yachten gleicher Charakteristik in einer Gruppe segeln. Die Einteilung und gegebenenfalls weitere Unterteilungen obliegen alleine der Wettfahrtleitung.

1.3. Einteilung in Cruiser/Racer und Performance
Ein Veranstalter kann die ORCi-Klassen nach Performance- und Cruiser/Racer-Divisionen unterteilen. Bei Ranglistenregatten müssen jedoch die unterteilten Klassen den gleichen Start haben und die gleiche Bahn segeln.

1.4. Performance-Division
Yachten, deren ORC-Messbrief sie als Performance ausweisen.

1.5. Cruiser/Racer-Division
Yachten, deren ORC-Messbrief sie als Cruiser/Racer ausweisen.

1.6. Bestimmungen der Cruiser/Racer-Division siehe IMS-Regeln unter www.orc.org.

1.7. ORCi-Auswertesysteme
a) Wertung mit festen Handicaps (Time-on-Distance, Time-on-Time)
Einfachste Art, ORC-Regatten auszuwerten, geeignet für Clubregatten und für Langstreckenregatten, bei denen es nicht ganz so genau sein muss.

Time-on-Distance-Wertung: Berechnete Zeit = Gesegelte Zeit (Handicap x Bahnlänge)
Time-on-Time-Wertung:    Berechnete Zeit = Gesegelte Zeit x Faktor
Inshore-Handicap: je 50 % Kreuzanteil und Downwindanteil, geeignet für Up/Down-Regatten
Offshore-Handicap:  geringerer Kreuzanteil, geeignet für Mittel- und Langstrecken oder sogenannte Coastal-Rennen

 

b) Werden reine Up/Down-Regatten angeboten, sollen diese nach Performance-Curve gewertet werden. Wenn die Anteile Kreuz und Downwind je exakt 50 % betragen (kein Verholer, kein Start-Offset, etc.), so ist die Option Selected Course, Windward Leeward anzuwenden. Diese ist im Messbrief bereits beschrieben. Weicht der Kurs aus irgendwelchen Gründen (Wetter, Zeitlimit) von den 50 %-Anteilen ab, so soll die Performance Curve mit dem sogenannten Constructed Course berechnet werden (Annahme 0° Kurslage und Nordwind). Im Ergebnis ist dies dieselbe Prozedur, nur korrigiert um den jeweils fehlenden Kreuz- oder Downwind-Anteil.

1.8 Altersvergütung
Eine Altersvergütung ist in den Handicaps bereits enthalten (Age Allowance).

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